Tarifvertrag – Was ist das eigentlich?
In der Arbeitnehmerüberlassung überschlagen sich momentan die Ereignisse in Bezug auf Tarifverträge, Grund genug sich einmal damit zu beschäftigen, was eigentlich ein Tarifvertrag ist.
Tarifvertrag
In Deutschland ist der Tarifvertrag ein schriftlicher Vertrag zwischen den Tarifvertragsparteien. In Österreich wird er Kollektivvertrag und in der Schweiz Gesamtarbeitsvertrag genannt. In der sogenannten D-A-CH-Region gibt es überall Tarifverträge. Tarfivertragsparteien sind tariffähige Arbeitnehmer und tariffähige Arbeitgeber. Tariffähige Arbeitnehmer sind Gewerkschaften, z.B. DGB oder CGB. Tariffähige Arbeitgeber sind Arbeitgeberverbände, in der Zeitarbeit sind das beispielsweise der BZA und der iGZ e.V.. In Deutschland sind ca. 80% der Arbeitnehmer direkt oder indirekt durch einen Tarifvertrag geschützt.
Die Funktionen eines Tarifvertrages
Schutzfunktion
Die Funktion des Tarifvertrages ergibt sich aus den gesetzlichen Grundlagen, dem Tarifvertragsgesetz (TVG) und dem Grundgesetz (Art.9 GG). Der Gesetzgeber ist davon ausgegangen, dass der Arbeitnehmer grundsätzlich der Schwächer ist in der Verhandlung seines Arbeitsvertrages mit dem Arbeitgeber. Um diese Schwäche auszugleichen, kommt dem Tarifvertrag eine Schutzfunktion gegenüber dem einzelnen Arbeitnehmer zu. Mit Hilfe der Gewerkschaft als Arbeitnehmervertreter soll ein Gleichgewicht der Kräfte hergestellt werden. Innerhalb der Tarifverhandlung besteht dieser Schutzanspruch nicht mehr, beide Tarifparteien werden gleich behandelt.
Verteilungsfunktion
Über einen Tarifvertrag wird der gesamtwirtschaftliche Überschuß an den Arbeitnehmer verteilt, durch Lohnerhöhungen oder andere Vergünstigungen wie z.B. Erhöhung des Urlaubsgeldes, Weihnachtsgeldes, 13.Monatsgehalt oder andere Leistungen.
Gestaltungsfunktion
Der Tarifvertrag ermöglicht auch eine Gestaltung des Arbeitsverhältnisse bzw. der Arbeitsbedingungen, da Arbeitszeit, Kündigungsfristen und ähnliches geregelt werden können.
Orientierungsfunktion
Einzelne Tarifabschlüsse haben Orientierungswirkung für die Arbeitnehmer, da sie erkennen können, wieviel ihre Arbeit Wert ist. Für andere Branchen ist ebenfalls eine Orientierungsfunktion gegeben, da sich deren Arbeitnehmer an den Abschlüssen orientieren können.
Vorteile für Arbeitgeber
Für Arbeitgeber ergeben sich ebenfalls Vorteile aus einem Tarifvertrag, da sie nicht mehr jeden Arbeitsvertrag individuell aushandeln müssen und so entsteht Planbarkeit und Sicherheit.
Es gibt verschiedene Tarifverträge, wie Mantel-, Rahmentarifvertrag, Flächen-, Verbandstarifvertrag und Firmen-, bzw. Haustarifverträge. Weiter gibt es auch Lohn-, Entgelt-, oder Gehaltstarifverträge. Deutschlandweit üblich sind Verbands-, bzw. Flächentarifverträge. Betriebsvereinbarungen gehören nicht zur Gruppe der Tarifverträge. In der Zeitarbeitsbranche handelt es sich um einen Branchentarifvertrag, der zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden abgeschlossen wird. Ein Tarifvertrag regelt auch die Mittel eines Arbeitskampfes. Die Gültigkeitsdauer eines Tarifvertrages wird jedes Mal neu festgelegt. Ein Tarifvertrag gibt den Vertragsparteien einen Anspruch auf Durchsetzung der Vereinbarungen, d.h. dem einzelnen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Abweichungen von einem gültigen Tarifvertrag sind lediglich möglich, wenn eine sogenannte Öffnungsklausel vorliegt.
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ZEITARBEIT-gut, oder SCHLECKER?
Widersprüchlicher konnten in den vergangenen Tagen die Nachrichten und Meldungen aus der Zeitarbeitsbranche nicht sein. Der Fall Schlecker kam ausführlich ins Gespräch und gleichzeitig erschienen Artikel, die Zeitarbeit als eine gute Möglichkeit beschreiben, eine Arbeitsstelle zu ergattern.
Was ist nun der Fall?
Zunächst muss man den Fall Schlecker nochmals kurz darstellen, die Firma Schlecker hat die Stammbelegschaft des Unternehmens durch Zeitarbeitskräfte ersetzt, wobei das Zeitarbeitsunternehmen Menair im Eigentum von Schlecker selbst steht. Durch dieses Geschäftsgebaren konnte Schlecker die gültige Tarifverträge des Einzelhandels umgehen und sehr viel niedrigere Löhne bezahlen. Der öffentliche Aufschrei hat selbst die Politik auf den Plan gerufen und so Schlecker zum Einlenken gebracht.
Personaldienstleistung, Zeitarbeit
Beinahe gleichzeitig erschien ein Artikel in dem es heißt, die Zeitarbeit sei ein gute Möglichkeit eine Arbeitsstelle bzw. einen Job zu bekommen. Warum?
Zunächst muss man dazu die Situation am Arbeitsmarkt betrachten und feststellen, dass es für die meisten Menschen heute sehr schwierig ist, einen ihren Qualifikationen entsprechenden Job zu finden. Für die Arbeitsstellensuche gibt es viele Hilfsmittel, von Arbeitsamt, Internet Jobbörsen, Bewerbungsseminare, bis hin zu Zeitungsannoncen von Unternehmen und vielem mehr, welche der Arbeitssuchende für sich nutzen kann. Doch die Konkurrenz unter den Arbeitssuchenden ist sehr stark und dadurch bleiben viele Bewerber auf der Strecke, ihnen würde nur die Arbeitslosigkeit bleiben.
Für diese Arbeitsuchenden bietet sich die Zeitarbeit als optimale Gelegenheit doch einen Arbeitsplatz bzw. Job zu bekommen. Man muss eventuell ein niedrigeres Gehalt akzeptieren, doch gilt in Deutschland der Equal-Pay-Ansatz. Weiter gibt es für die Zeitarbeitsbranche gültige Tarifverträge des BZA und der iGZ. Zudem muss man flexibel sein, da man in kurzer Zeit verschiedene Unternehmen kennenlernen kann im Wege der Arbeitnehmerüberlassung. Jedoch ergibt sich so die Chance Erfahrung im Beruf zu bekommen, sich auf einem Arbeitsplatz zu beweisen und vor allem hat man ein eigenes Einkommen, ist somit nicht auf staatliche Hilfe angewiesen.
Die Vorteile, die man als Zeitarbeiter hat, sind klar, man lernt verschiedene Unternehmenskulturen kennen und kann zumindest feststellen, ob ein Unternehmen zu einem passen würde im Falle einer Festanstellung. Weiter ist es möglich, als Zeitarbeiter, auch verschiedene Personaldienstleistungsunternehmen kennenzulernen und auch hier festzustellen, welche am besten zu einem passt.
Diese Vorteile sind unbestritten.
Die Möglichkeit einer Übernahme in eine Festanstellung aus einem Zeitarbeitsverhältnis heraus, der sogenannte Klebeeffekt, ist nur sehr schwer möglich. Es werden nach Schätzungen zwischen 7% – 14% der Zeitarbeiter übernommen, das ist ein sehr geringer Anteil. Auch wenn man sich bei dem Klebeeffekt keine Illusionen machen sollte, muss man realistisch bedenken, dass die Zeitarbeiter ohne Zeitarbeit keinen Arbeitsplatz bzw. Job hätten.
Zusammenfassend
Die Zeitarbeit hat sich als Flexibilisierungsinstrument des Arbeitsmarktes bereits in der Krise bewiesen und ist ein anerkanntes Werkzeug, welches den Unternehmen zur Verfügung steht. Die meisten Unternehmen in Deutschland verwenden die Zeitarbeit entprechend den gesetzlichen Vorgaben und halten sich an Traifverträge, dass es leider immer wieder schwarze Schafe gibt, ist ein gesellschaftliches Problem und keines der Zeitarbeitsbranche alleine.
Hier können Sie die gültigen Tarifverträge von BZA und iGZ kostenlos downloaden:
BZA Tarfivertrag und Equal-Pay iGZ e.V. Tarifvertag
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Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen, iGZ, Ausblick auf 2010
ZEITARBEITtransparent.de präsentiert den Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen, iGZ e.V., und seinen Hauptgeschäftsführer RA Werner Stolz mit seiner Stellungnahme zur Branchenentwicklung in 2010:
Nichts ist beständiger als der Wandel
RA Werner Stolz, Hauptgeschäftsführer Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen iGZ
„Zeitarbeit vor einem Comeback“ – titelte unlängst das Handelsblatt und verwies auf erste optimistische Branchensignale, dass es nach einem starken Einbruch zu Beginn des Jahres langsam wieder aufwärts geht. Und nach den ersten Wochen der neuen Bundesregierung zeichnet sich ab, dass es auch kein politisches „Roll back“ bei den Zeitarbeitsreformen geben wird. Zeit also zum Durchatmen, aber kein Grund, dass sich die Branchenakteure zurücklehnen und nach der Devise verfahren: alles ist in Ordnung. Denn große Herausforderungen stehen vor uns, die wir gemeinsam auf den unterschiedlichen Ebenen bewältigen müssen.
Etwa:
1. Auf der Verbandsebene
Aktuell werden wir in den anstehenden Tarifverhandlungen mit der Tarifgemeinschaft Zeitarbeit der DGB-Einzelgewerkschaften den Nachwirkungsstatus des iGZ-Entgelttarifvertrages beenden und einen vernünftigen Abschluss anstreben, der Planungssicherheit für die Anwender schafft. Im Hinblick auf die unwiderruflich eintretende volle EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit ab Mai 2011 steht unser Angebot an alle Beteiligten im Arbeitnehmer- und Arbeitgeberlager, gemeinsam einen akzeptablen tariflichen Mindestlohn-Kompromiss als „Schutzschirm“ für drohende Wettbewerbsverzerrungen zu schaffen.
2. Auf der Angebotsebene
Wir müssen uns als attraktive Arbeitgeber immer weiterentwickeln, die von uns angebotene Erwerbsform als Chancenmanagement ausbauen, auch Weiterbildungsperspektiven entwickeln und den zu uns kommenden Menschen das Gefühl vermitteln: hier werden sie fair und anständig behandelt.
3. Auf der Kundenebene
Die Anforderungen an unsere Personaldienstleistungspalette werden anspruchsvoller und ausdifferenzierter. Aufträge müssen passgenau, sorgfältig und kompetent besetzt werden. Nicht dem „Zeitarbeitsbauchladen“ gehört die Zukunft, sondern fachkundige Sparten-Spezialisierungen, regionale Vor-Ort-Präsenz und professionelle Beratung. Ein erfolgreicher Personalservice steigert die Akzeptanz und Qualität der Zeitarbeit.
Bei alledem gilt: wer sich marktnah und gut positioniert, setzt sich auch durch. Wer als Verband die Zeichen der Zeit erkannt hat, gewinnt Zuspruch. Wer in der Politik entschlossen handelt, ist der Wirtschaftskrise nicht hilflos ausgeliefert.
„Nichts ist beständiger als der Wandel“, sagte schon Heinrich Heine. So bleibt es auch unsere Aufgabe, uns den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen ständig zu stellen. Eine Verweigerungshaltung führt nur ins Abseits.
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Zeitarbeit, der Herbst der Zeitarbeitsfirmen?
Die Zeitarbeitsbranche in der Krise
Die Zeitarbeitsbranche wurde durch die Wirtschaftskrise schwer getroffen, viele Experten sagen, als erste aller Wirtschaftsbranchen. Diesen ersten Platz hätten die Zeitarbeitsfirmen wohl nicht unbedingt gewollt. Doch als Flexibilisierungsinstrument am Arbeitsmarkt ist dieser erste Platz fester Bestandteil der Zeitarbeit.
Die Hauptfunktion von Zeitarbeit ist stark vereinfacht dargestellt, dass Unternehmen mit Hilfe von Zeitarbeit extrem flexibel auf Konjunkturschwankungen reagieren können. Zu Beginn der Wirtschaftskrise haben die Unternehmen, die Zeitarbeit für sich nutzten, davon Gebrauch gemacht. Die Zeitarbeitsfirmen haben vielen Zeitarbeitern gekündigt und Verträge auslaufen lassen bzw. diese nicht verlängert.
Wie geht es weiter mit der Zeitarbeit?
Die Branche hat sehr von der Gesetzgebung und Hartz IV profitiert, sie war in den letzten Jahren in einem stetigen Aufstieg. Aktuell hat die Zeitarbeitsbranche einen schweren Umsatzeinbruch zu verkraften.
Die Frage ist, wie dies Aussehen wird.
Die Experten sprechen von einer Marktbereinigung. Marktbereinigung heisst, dass es zu einem Verdrängungskampf zwischen den Zeitarbeitsfirmen kommen wird. Verdrängungskampf wiederum heisst, dass man nicht mehr lediglich um neue Kunden kämpft, sondern versucht Marktanteile anderer Zeitarbeitsfirmen an sich zu reißen. Dabei werden viele kleine und mittlere Zeitarbeitsfirmen aufgeben müssen, wenn Sie keine lukrative Nische für sich finden.
Dieser Verdrängungskampf wird meist über den Preis geführt und agressive Werbung.
Der Peiskampf wird die Zeitarbeit für Unternehmen, die Zeitarbeit für sich nutzen wollen noch attraktiver machen. Dies wird sich vor allem bei einer Erholung der Wirtschaft positiv auswirken. Die Zeitarbeitsbranche wird am Ende der Wirtschaftskrise erneut den ersten Platz der Wirtschaftsbranchen belegen, die vom Ende der Wirtschaftskrise profitieren. Viele Stimmen sagen der Zeitarbeitsbranche einen erneuten Boom voraus.
Die Zeichen für einen heissen Herbst mehren sich und für den Arbeitnehmer/Zeitarbeit sieht es nicht gut aus!

